Zwischen Transformation, technologischer Innovation und Tradition

Verlage stehen heute unter extremem Veränderungsdruck. Kaum ein anderer Bereich in der Medienbranche spürt die Auswirkungen des digitalen Wandels so deutlich: Neue Technologien, Künstliche Intelligenz und datengetriebene Modelle verändern die Programmgestaltung und Produktionsabläufe. Aber auch Vertriebs- und Marketing-Logiken verschieben sich grundlegend. Hinzu kommt: Leser und Kunden bewegen sich heute selbstverständlich zwischen unterschiedlichen, teils kostenfreien Medienformaten – von Print-Angeboten über Apps bis hin zu Social Media und Streaming-Diensten.

Zwischen Transformation, technologischer Innovation und Tradition

Verlage stehen heute unter extremem Veränderungsdruck. Kaum ein anderer Bereich in der Medienbranche spürt die Auswirkungen des digitalen Wandels so deutlich: Neue Technologien, Künstliche Intelligenz und datengetriebene Modelle verändern die Programmgestaltung und Produktionsabläufe. Aber auch Vertriebs- und Marketing-Logiken verschieben sich grundlegend. Hinzu kommt: Leser und Kunden bewegen sich heute selbstverständlich zwischen unterschiedlichen, teils kostenfreien Medienformaten – von Print-Angeboten über Apps bis hin zu Social Media und Streaming-Diensten.

Seminare Online Marketing - E-Commerce

Lektorate, Marketing und Digital-Units arbeiten immer enger zusammen. Es entstehen veränderte Arbeitsabläufe und KI-gestützte Tools beschleunigen Prozesse zusätzlich. Diese wiederum erfordern neue Kompetenzen auf allen Ebenen. Neue Arbeitsformen, durch Remote Work und hybride Teams, verlangen eine andere Art der Kommunikation. Und das alles bei immer höheren Anforderungen an Effizienz und Wirtschaftlichkeit. In der Folge steigen auch die Erwartungen der Mitarbeitenden an Führung und Führungskräfte, an Firmenkultur und Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns.

So stehen Führungskräfte und angehende Entscheider in Verlagen vor großen Herausforderungen. Sie müssen verlegerische Identität und Traditionen bewahren und gleichzeitig Verlagsorganisationen bauen, die auch bei knappen Budgets und ohne langwierigen Vorlauf erfolgreich und nachhaltig auf Veränderungen am Markt reagieren. Sie müssen Unternehmens- und Mitarbeiterführung neu denken und leben und dabei wirtschaftliche Stabilität und Innovationsfähigkeit gleichermaßen sichern.

Die wesentlichen Herausforderungen für Verlage auf einen Blick – und was das für Verlagsmanager und ihre Führungsrolle jetzt und in Zukunft bedeutet

➡️​ Neue Mediennutzung und verändertes Leser- und User-Verhalten

👉🏼 Führung heißt hier, strategisch zu entscheiden, auf welchen Kanälen, in welchen Formaten und zu welchen Preisen Verlage ihre Inhalte für welche Zielgruppe präsentieren sollen – und die immer häufiger abteilungsübergreifenden Teams aus Redaktion, Marketing und Digital Business so aufzustellen, dass sie plattformgerecht und crossmedial arbeiten können.

 

➡️​ Neue Geschäftsmodelle durch neue Kundenerwartungen und Wettbewerber

👉🏼 Führung heißt hier, Markt und Wettbewerb im Verlags- und Content-Umfeld zu beachten, Geschäftspotenziale zu erkennen, Experimente zuzulassen und wirtschaftliche Risiken abzuwägen, ohne den verlegerischen Qualitätsanspruch aus den Augen zu verlieren.

 

➡️ ​Digitale Innovationen und neue Technologien wie Künstliche Intelligenz

👉🏼 Führung heißt hier, neue Technologien auf Einsatzpotenziale in Verlagen hin zu analysieren, Chancen und Grenzen der Tools einzuschätzen, Technologie-Kompetenzen in Teams aufzubauen und sicherzustellen, dass in Entscheidungs- und Freigabeprozessen das menschliche Urteilsvermögen erhalten bleibt (Stichwort: Human in the Loop).

 

➡️ ​Neue Organisationsformen und flexible Arbeitsmodelle

👉🏼 Führung heißt hier, Rahmenbedingungen zu schaffen, die flexible und ortsunabhängige Zusammenarbeit ermöglichen, abteilungsübergreifende Projektteams in Verlagen zukunftsfähig aufzustellen und interdisziplinäres Arbeiten zu fördern; Prozesse so zu gestalten, dass Kommunikation und Vertrauen, aber auch gemeinsame Ziele und avisierte Ergebnisse in hybriden Arbeitsumgebungen verlässlich bestehen bleiben.

 

➡️​ Fachkräftemangel und neue Mitarbeitererwartungen

👉🏼 Führung heißt hier, attraktive Rahmenbedingungen für aktuelle und künftige Mitarbeitende im Verlag zu schaffen, Talente gezielt zu fördern, auf Team- und Organisationsebene Zusammenhalt und Vertrauen zu stärken und eine Führungskultur zu etablieren, die Motivation, Leistungsbereitschaft, Lernwilligkeit, Neugier und die Bindung an das eigene Medienhaus langfristig sicherstellt.

 

➡️​ Wirtschaftlicher Druck und knappe Budgets

👉🏼 Führung heißt hier, Ressourcen gezielt einzusetzen und richtig zu priorisieren, Entscheidungen faktenbasiert zu treffen und den Spagat zwischen wirtschaftlicher Effizienz und kreativer Freiheit zu meistern, also Budgets kostenbewusst zu steuern, ohne die Innovationskraft des Verlags zu gefährden.

 

➡️​ Kapazitätsengpässe und Ressourcenmanagement

👉🏼 Führung heißt hier, Prozesse in Redaktion, Herstellung, Marketing, Vertrieb und Digital Business zu verzahnen, Synergien zu nutzen und teamübergreifende Strukturen zu schaffen, die Flexibilität, Wirtschaftlichkeit und Qualität gleichermaßen sichern, um den Verlag dauerhaft handlungsfähig und innovationsstark zu halten.

Welche Kompetenzen (angehende) Führungskräfte in Verlagen jetzt brauchen

Angesichts dieser immensen Herausforderungen benötigen Führungskräfte in Verlagen heute umfassende Kompetenzen:

1. Strategisches Management

Zu den notwendigen Kompetenzen gehören:

  • Markt- und Trendanalysen
  • Entwicklung neuer Unternehmens- und Geschäftsstrategien
  • Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Erlösstrategien (Paid Content, Plattformstrategien, Community-Modelle etc.)
  • Prioritätenmanagement und Entscheidungsfähigkeit
  • Innovationsfähigkeit

2. Unternehmerische und betriebswirtschaftliche Kompetenzen

Zu den notwendigen Kompetenzen gehören:

  • BWL-Grundverständnis (Kostenrechnung, Deckungsbeiträge, Rentabilität, Liquidität und ROI im Verlagskontext)
  • Budget- und Ressourcenplanung
  • Steuerung von Projekten und Investitionen auf Basis von Daten und Kennzahlen
  • Wirtschaftlichkeitsanalysen und wirtschaftliche Innovationsbewertung
  • Unternehmerisches Denken

3. Digitales Know-how und Technologie-Management

Zu den notwendigen Kompetenzen gehören:

  • Technologieverständnis (KI, Automatisierung, Plattformen, Datenmanagement)
  • Digital Leadership und digitale Kompetenzen (‚Digital Literacy‘)
  • Prozesskompetenz (für digitale Workflows, Schnittstellen und Datenströme)
  • Digitales Transformationsmanagement

4. Organisationsentwicklung und Prozessmanagement

Zu den notwendigen Kompetenzen gehören:

  • Organisationsentwicklung
  • Projektmanagement
  • Kapazitätssteuerung und Ressourcenmanagement
  • Prozessplanung und -optimierung
  • Systemisches Denken und Change Management

5. Leadership und Selbstmanagement

Zu den notwendigen Kompetenzen gehören:

  • Führung und Führungskommunikation
  • Konfliktmanagement und Feedback-/Gesprächsführungskompetenzen
  • Teamentwicklung, Teamsteuerung und Motivation
  • Selbstführung und Lernkompetenz
  • Resilienz und Umgang mit Unsicherheit
Mindmap Führungskräfte in Verlagen

Unser zertifiziertes Qualifizierungsprogramm für Ihren individuellen Karriereweg im Verlag

Genau hier setzt das zweiteilige Qualifizierungsprogramm „Führungsaufgaben in Verlagen“ an. Es vermittelt das betriebswirtschaftliche, strategische, technologische und organisatorische Know-how, das (angehende) Führungskräfte in der Verlags- und Medienbranche benötigen – von der Geschäftsmodellentwicklung über Unternehmenssteuerung und Digitalisierung bis hin zu Leadership und Kommunikation. Der zehntägige Kurs im Blended Learning-Format ist bereits seit Jahren eines der wichtigsten Weiterbildungsprogramme für Führungskräfte im Verlagswesen, die künftig mehr unternehmerische Verantwortung übernehmen und ihre Managementkompetenz gezielt und praxisnah ausbauen möchten.

Im Interview – 6 Fragen an Christian Hoffmeister

„Zukunftsfähige Führung in Verlagen entsteht aus technologischer Kompetenz, strategischer Klarheit und einer modernen, empowernden Führungshaltung.“

1.

Als Experte für Organisationsentwicklung und Digitalisierung begleiten Sie seit vielen Jahren Führungskräfte auch und gerade in Medienhäusern. Was sind die größten Herausforderungen, vor denen Entscheider in Verlagen heute stehen – auch im Vergleich zu anderen Branchen?

Der Kern eines Medienangebots ist immateriell. Inhalte in Form von Text, Bildern oder Daten sind wesentlich leichter digitalisierbar als physische Güter. Deshalb trifft die Digitalisierung Medienhäuser direkt im Zentrum ihres Geschäftsmodells.

Denn: KI und Social Media verändern grundlegende Mechanismen der Distribution, Aufmerksamkeit und Monetarisierung in einer Geschwindigkeit, die insbesondere Verlage massiv unter Druck setzt. Gleichzeitig entstehen – perspektivisch auch durch Web3-Technologien wie Blockchain und Krypto – neue Chancen in Bezug auf Wertschöpfung, Ownership und Community-Building.

Für Führungskräfte in Verlagen wird es deshalb entscheidend sein zu verstehen, wie diese Technologien neue Geschäftsmodelle ermöglichen und sinnvoll in die eigene Wertschöpfung integriert werden können. Es geht nicht mehr nur um Digitalisierung bestehender Prozesse, sondern um das aktive Gestalten einer zukünftigen Wertarchitektur, die immaterielle Inhalte auf neuen Wegen monetarisiert.

2.

Was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Stellschrauben, um Verlage und Medienunternehmen zukunftsfähig aufzustellen? Welche Prioritäten sollten Verlagsmanager heute setzen?

Es gibt zwei große Stellschrauben, um Verlage und Medienunternehmen wirklich zukunftsfähig aufzustellen: technologische Tiefenkompetenz und strategische Führungskompetenz.

Auf der technologischen Seite brauchen Medienhäuser heute deutlich mehr Wissen und Fähigkeiten in Bereichen wie UX, KI, Algorithmik, Coding und Infrastruktur. Diese Kompetenzen sind kein „nice to have“, sondern grundlegende Voraussetzungen, um Transformationsprozesse aktiv zu gestalten. In disruptiven Veränderungsphasen reicht es nicht aus, nur Rahmenbedingungen zu setzen – Verlage brauchen Führungskräfte, die verstehen, wie digitale Produkte, Plattformen und Systeme funktionieren, aufgebaut werden und skalieren.

Gleichzeitig bleiben Soft Skills essenziell. Verlage und Medienhäuser müssen in Führungskräfte investieren, die Teams aktiv führen, Veränderungsprozesse moderieren, klare Entscheidungen treffen und eine überzeugende, inspirierende Vision formulieren und kommunizieren. Transformation gelingt nur, wenn Strategie, Technologieverständnis und Führung zusammenkommen.

3.

Welche Management-Kompetenzen sind für Führungskräfte heute unverzichtbar, um Verlagsteams erfolgreich zu führen?

Führungskräfte in Verlagen benötigen heute vor allem Technologieverständnis und moderne Leadership-Fähigkeiten. Sie müssen verstehen, wie KI-Modelle funktionieren, Algorithmen arbeiten und Plattformen entwickelt und skaliert werden – zumindest in ihren Grundlogiken. Nur wer diese Mechanismen begreift, kann digitale Transformationsprozesse aktiv steuern. Dies gilt insbesondere für Medienhäuser, deren Wertschöpfung immateriell ist und zunehmend durch Technologie geprägt wird.

Veränderungsbereitschaft zu fördern, Teams zu befähigen, Experimente zuzulassen und eine klare, inspirierende Vision zu kommunizieren, sind ebenfalls entscheidende Kompetenzen. Transformation erzeugt naturgemäß Unsicherheit. Führungskräfte müssen daher Sicherheit durch Klarheit, Kompetenz und Orientierung geben.

Und schließlich braucht es die Fähigkeit, interdisziplinäre Teams zu orchestrieren – von Redaktion über Produkt bis Tech. Moderne Medienunternehmen sind keine rein journalistischen Organisationen mehr, sondern arbeiten an der Schnittstelle von Inhalt, Daten, Technologie und Community. Diese Komplexität verlangt Führungskräften die Fähigkeit ab, unterschiedliche Disziplinen zu integrieren und auf ein gemeinsames Ziel auszurichten.

4.

Warum würden Sie (angehenden) Führungskräften in Verlagen den Besuch des Programms „Führungsaufgaben in Verlagen“ empfehlen?

Unser Programm ist genau auf die heutigen Anforderungen in Medienunternehmen zugeschnitten. Zum einen vermitteln wir die klassischen Hard Skills, die Führungskräfte wirklich brauchen: betriebswirtschaftliche Grundlagen, digitales Produktverständnis, rechtliche Basics und modernes Marketing. Diese Inhalte bilden das Fundament für faktenbasierte und zukunftsorientierte Entscheidungen.

Zum anderen legen wir einen starken Fokus auf die Soft Skills, die im Transformationsprozess unverzichtbar sind – insbesondere Kommunikation, Präsentation, Teamführung und agiles Arbeiten. Wir arbeiten mit echten Community-Aktivitäten, um Führung praktisch erlebbar zu machen. Die Teilnehmenden lernen nicht nur Methoden, sondern erleben unmittelbar, wie man Teams motiviert, Orientierung gibt und Veränderung gestaltet.

Kurz gesagt: Das Programm verbindet technische, strategische und menschliche Kompetenz. Genau diese Kombination benötigen (angehende) Führungskräfte in Verlagen, um den digitalen Wandel nicht nur zu verstehen, sondern aktiv zu gestalten.

5.

Wie praxisnah arbeiten Sie im Seminar, etwa mit Übungen oder Fragenstellungen zu konkreten Verlagsprojekten?

Extrem praxisorientiert. Theorie spielt nur die Rolle eines Werkzeugs, im Mittelpunkt steht die konkrete Umsetzung in den Alltag eines modernen Verlages. Unser Anspruch ist: Jede Führungskraft geht mit direkt umsetzbaren Ergebnissen, klaren Prioritäten und praktischen Werkzeugen zurück in den Verlag und kann dort unmittelbar Wirkung entfalten.

6.

Was nehmen Teilnehmende aus dem Seminar als wichtigste Erkenntnis für ihre Führungsarbeit mit?

Erfahrungsgemäß sind es zwei zentrale Erkenntnisse. Zum einen findet eine intensive Reflexion statt: Wie führe ich eigentlich? Wie wirke ich auf andere? Und wie schaffe ich es, selbst Neues auszuprobieren und eigene Grenzen zu überwinden? Diese Selbstreflexion ist für viele der wichtigste Moment, weil sie unmittelbar spüren, wie Führung wirkt – und wie sie sich weiterentwickeln können.

Darüber hinaus entsteht während des Programms ein starkes Netzwerk. Die Teilnehmenden arbeiten eng zusammen, tauschen sich über reale Herausforderungen aus und unterstützen sich auch nach dem Seminar weiter. Dieses Netzwerk ist oft einer der größten Mehrwerte, weil
es einen offenen, vertrauensvollen Austausch über Führung, Digitalisierung und Veränderung ermöglicht.

Ihre Ansprechpartnerin für den Zertifikatskurs

Ihre Ansprechpartnerin bei der Akademie der Deutschen Medien

Yvonne Braun

Programm-Managerin
0049 89 29 19 53 54
[email protected]

Ihr Nutzen auf einen Blick

In dem zehntägigen Qualifizierungsprogramm „Führungsaufgaben in Verlagen“ vertiefen Sie Ihre Kenntnisse der Unternehmens- und Mitarbeiterführung im Verlagskontext – im klassischen Print- sowie im Digital Business. Sie erhalten Einblick in die Vernetzung der einzelnen Verlagsressorts, vom Controlling über die strategische Programmplanung und Produktentwicklung bis hin zu (digitalem) Marketing und Vertrieb. Zudem lernen Sie neue Geschäftsmodelle kennen, die sich durch Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und innovative Technologien für Medienhäuser heute ergeben.